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Die umfangreiche Ausstellung Rosa. Eigenartig grün. Rosa Schapire und die
Expressionisten mit 120 Exponaten in den Kunstsammlungen Chemnitz zeigt
das Leben der engagierten Kunsthistorikerin und Sammlerin Rosa Schapire
(1874 - 1954), die zu den frühesten Förderern von Karl Schmidt-Rottluff und
den BRÜCKE-Künstlern zählt. Neben Leihgaben aus öffentlichen und privaten
Sammlungen sind zahlreiche Werke aus der Tate Modern London, dem
Gemeentemuseum Den Haag und den Staatlichen Museen zu Berlin –
Nationalgalerie zu sehen.

Rosa Schapire zählt zu einer der eindrucksvollsten Persönlichkeiten des
deutschen Expressionismus. Der Kunsthistoriker Aby Warburg bezeichnete
1907 „Frl. Rosa Schapire [als] eigenartig grün [...] dieses Rosenknöspchen auf
Tintenfüßchen." In diesem Jahr tritt die in Hamburg lebende Rosa Schapire als
"passives Mitglied" der Künstlergruppe BRÜCKE bei. Während einer Zeit, als
die BRÜCKE noch weitgehend ungeachtet ist, beginnt sie, sich für die Künstler
und deren Werke einzusetzen, vermittelt Werke an Sammler und Galerien und
trägt, indem sie private und öffentliche Vorträge und Lesungen organisiert, zum
Verständnis der noch jungen Kunst bei.

Mit dem Beitritt zur Künstlergruppe BRÜCKE beginnt auch die lebenslange
enge Freundschaft zu Karl Schmidt-Rottluff, für dessen Anerkennung sie sich
bis zu ihrem Tod unermüdlich einsetzte. Bereits 1910 konnte Schapire eine
nahezu vollständige Sammlung an Grafiken Karl Schmidt-Rottluffs aufweisen,
welche die Grundlage des Werkverzeichnisses "Karl Schmidt-Rottluffs
Graphisches Werk bis 1923", das 1924 von ihr veröffentlicht wurde, bildete.
1921 gestaltete Schmidt-Rottluff, dessen Werke heute das Kernstück der
Kunstsammlungen Chemnitz bilden, sogar ein Wohnzimmer mit Möbeln,
Textilien, Kästen und farbigen Wänden für ihre Hamburger Wohnung. Neben
der Gestaltung ihres Wohnzimmers trägt Rosa Schapire vom Künstler gestaltete
Stoffe und den für sie persönlich geschaffenen Schmuck, der auf mehreren
ihrer Porträts zu erkennen ist. 13 Schmuckstücke, nicht nur vom Künstler
entworfen, sondern auch von ihm ausgeführt, können in der Ausstellung
betrachtet werden. Diese Schmuckstücke beeindrucken vor allem durch ihre
archaische Wirkung.

Durch ihren engen Kontakt zu den BRÜCKE-Künstlern erhält Rosa Schapire
über 100 Künstlerpostkarten, von denen ein Teil in der Ausstellung gezeigt
werden kann. Mit Pinsel, Farbstiften oder Kreiden gezeichnete, aquarellierte
oder bedruckte Postkarten sind seit 1909 ein wichtiger Bestandteil des
künstlerischen Schaffens der BRÜCKE. Die Postkarten belegen die Dankbarkeit
der Künstler für Schapires Vermittlung der expressionistischen Werke und für
ihre zahlreichen Aufsätze und Ausstellungsbesprechungen und unterrichten
über die künstlerische Tätigkeit.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde Schapires Einsatz für die als „entartet“
geltende Kunst im National-sozialismus zusätzlich erschwert. Vorträge konnte
sie nur noch unter Freunden in privaten Zirkeln halten. 1939 emigrierte sie nach
London, wo sie sich noch mit 65 Jahren als Fürsprecherin der deutschen
Avantgarde sah. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie den meisten ihrer
Werke Schmidt-Rottluffs, musste sie einen großen Teil ihrer umfassenden
Sammlung in Hamburg zurücklassen. Im Exil setzte sie sich weiter für Karl
Schmidt-Rottluff und die deutschen Expressionisten ein und eröffnete in
Leicester 1953 die erste Schmidt-Rottluff-Ausstellung auf englischem Boden.
Bis zu ihrem Tod am 1. Februar 1954 bei einem Besuch in der Tate Modern
London kehrte Schapire nicht mehr nach Deutschland zurück.

Anliegen der Ausstellung ist es, die Sammlung Schapires zu rekonstruieren und
dabei vor allem die enge und langjährige Freundschaft zu Karl Schmidt-Rottluff
in den Vordergrund zu rücken. Zu den rund 120 Exponaten aus der ehemaligen
Sammlung Schapires gehören unter anderem Gemälde, Grafiken und Künstler-
postkarten von Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller, Franz Radziwill, Walter
Gramatté, Werner Gothein und Willem Grimm. Es werden 25 Werke der
BRÜCKE-Künstler ergänzend zu dieser Sonderausstellung aus dem Bestand
der Kunstsammlungen Chemnitz präsentiert.


© Kunstsammlungen Chemnitz 2017