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Nachdem Einzelwerke von Henri Le Sidaner bereits in den Ausstellungen
„Les peintres de l’âme“ (2000) und „Couleur et lumière“ (2004) in den
Kunstsammlungen Chemnitz zu sehen waren, wird nun zum ersten Mal in
Deutschland Henri Le Sidaner mit einer großen Einzelschau präsentiert.
Die Ausstellung mit 70 Werken, davon 50 Gemälde und 20 Zeichnungen,
aus internationalen Museen wie dem Musée d`Orsay Paris, dem Fitzwilliam
Museum Cambridge, dem Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Köln und Privatsammlungen zeigt, wie dieser dem Impressionismus und
Symbolismus nahe stehende französische Künstler einen völlig eigen-
ständigen und außergewöhnlich raffinierten Stil schuf.

Der 1862 auf Mauritius geborene Henri Le Sidaner begann seine künstlerische
Laufbahn 1882 an der Pariser École nationale des Beaux-Arts und entdeckte
dabei die Malerei der Impressionisten. Nach kurzer Zeit brach er seine Aus-
bildung ab und ließ sich in Etaples nieder. Dort freundete er sich mit den
Malern Henri Duhem (1831–1905), Fritz Thaulow (1847–1906), ein Förderer
und entfernter Verwandter Edvard Munchs, und Emile Claus (1849–1924) an.
Abseits der aktuellen Kunstströmungen malte Le Sidaner hauptsächlich Land-
schaften der Region. Stilistisch stand er dabei dem Naturalismus von Corot
und der impressionistischen Freilichtmalerei nahe und ent-wickelte „…ein
überaus feines Gespür für ruhige, sanfte und delikate Stimmungen. Er elimi-
nierte nach und nach jede menschliche Figur, so als ob er befürchte, sie
könnten die unfassbare Stille stören.“ (Paul Signac, 1902)
In der ersten Hälfte der 1890er Jahre schloss er sich in Paris den symbolis-
tischen Künstlerkreisen an. In dieser Zeit entwickelte er eine eigene Bildsprache
mit klassischen Motiven und melancho-lischen Stimmungen. Durch subtile
Lichtwirkungen, die ab 1903 das jeweilige Motiv oft in Serien zu unterschiedlichen
Tages- und Jahreszeiten zeigen, sowie durch die impressionistische Farbge-
bung verlieh er seinen Werken eine ungewohnte Poesie, enthüllte so eine im
Alltäglichen verborgene Magie und schuf eine neue Sicht auf die Dinge. Es
verwundert daher nicht, dass die Ästhetik seiner Gemälde Marcel Proust
inspiriert hat und Le Sidaner in dessen Romanzyklus „Auf der Suche nach der
verlorenen Zeit“ mehrfach erwähnt wurde. Proust verglich ihn dabei mit Claude
Monet, von dem Le Sidaner 1918 sogar eine Einladung nach Giverny erhielt.

Zu Lebzeiten war Le Sidaner regelmäßig in den Pariser Salons (ab 1887 im
Salon des artistes français und ab 1894 in dem der Société Nationale des
Beaux-Arts), in bedeutenden nationalen und internationalen Ausstellungen,
sowie bekannten Galerien vertreten.             

Er erhielt viele Auszeichnungen wie bei den Internationalen Weltausstellungen
in München und Pittsburgh, zudem war er neben zahlreichen Mitgliedschaften in
international bekannten Kunstinstitutionen auch ab 1936 Präsident der Pariser
Académie des Beaux-Arts. Am 16. Juli 1939 starb Le Sidaner in Versailles.

In seiner Zeit hochgeschätzt, geriet Le Sidaner nach seinem Tod in der
Öffentlichkeit und bei europäischen Kunsthistorikern - im Unterschied zu
angelsächsischen Sammlern - in Vergessenheit. Erst um 1950 und 1989
wurden ihm in Paris und Brüssel Retrospektiven gewidmet. In Deutschland
gab es über diesen magischen Impressionisten bislang weder eine Aus-
stellung noch eine Publikation.

Die Ausstellung wird von Dr. Karin Sagner in Zusammenarbeit mit Yann
Farinaux-Le Sidaner, dem Urenkel des Künstlers, kuratiert.
© Kunstsammlungen Chemnitz 2017