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Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv
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Ausstellungseröffnung: Samstag, 22. September 2018, 18.15 Uhr


Die Kunstsammlungen Chemnitz bewahren in der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv den Gesamtnachlass dieses Ausnahmekünstlers. Vom 23. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 ist im Museum am Theaterplatz eine Ausstellung der ungewöhnlich engen und pro-
duktiven Freundschaft zwischen Carlfriedrich Claus und dem französischen Künstlerpaar Ilse und Pierre Garnier gewidmet. Gezeigt werden rund 180 Werke aus fast vier Schaffens-
jahrzehnten, zudem Briefe, Künstlerbücher, Mappen und Künstlerzeitschriften. Eine groß-
zügige Schenkung von fünf originalen Mappenwerken an das Carlfriedrich Claus-Archiv durch Violette Garnier, Tochter von Ilse und Pierre Garnier, wird erstmals öffentlich präsentiert.


Carlfriedrich Claus (1930–1998) arbeitete in Annaberg-Buchholz – fern der Kunstzentren, aber durch Berlin-Reisen gut informiert – in den 1950er-Jahren an Experimenten, die gegen Ende des Jahrzehnts in eine herausragende Synthese aus Geschriebenem und Gezeichnetem mündeten. Diese Werke, Über-
lagerungen minutiöser Schriftkritzel und gestischer Mikrospuren, nannte er „Sprachblätter“. Claus leistete damit einen Beitrag zu einer internationalen Kunstströmung, die als visuelle Poesie noch im Entstehen begriffen war. Seine „Sprachblätter“ wurden in internationale Ausstellungen wie Skripturale Malerei (Berlin-West 1962) oder Schrift und Bild (Amsterdam und Baden-Baden 1963) einbezogen. Erste Veröffentlichungen folgten in den Katalogen zu diesen Ausstellungen sowie in einschlägigen Avantgarde-
zeitschriften (nota, Diskus, manuskripte) und Publikationen (movens, 1960). Aufgrund dieser Beiträge wurde er zunehmend öffentlich wahrgenommen.

Das Künstlerpaar Ilse Garnier (*1927) und Pierre Garnier (1928–2014) nahm im Herbst 1963 brieflich Kontakt zu ihm auf. Die beiden lebten als Künstler und Übersetzer in Amiens/Frankreich und arbeiteten wie Claus im Spannungsfeld von Bild-Texten und Text-Bildern. Ihre die Fläche besetzenden Wörter und Zeichengruppen ermöglichen in Verbindung mit den prägnanten Titeln eine poetische Differenziertheit und eine Offenheit, die über konventionell verbale Mitteilungen weit hinausgeht. Als Herausgeber der Zeitschrift für experimentelle Literatur Les Lettres setzte sich Pierre Garnier für die internationale Vernetzung dieser neuen Kunstströmung ein. Ihre Gemeinsamkeit sah er in einer Tendenz zur Verräumlichung, die durch neue Verfahren wie Überlagerung oder Durchdringung bildlicher und sprachlicher Zeichen entstand. Kenntnisreich publizierte er über Carlfriedrich Claus und besuchte ihn gemeinsam mit Ilse nach dem Bau der Mauer 1964 im Erzgebirge. Eine intensive Künstlerfreundschaft entfaltete sich, deren Zeugnisse Gegenstand der Ausstellung sind.

Ein umfangreicher Briefwechsel zwischen Ilse und Pierre Garnier und Carlfriedrich Claus aus den Jahren 1963 bis 1998, der im Carlfriedrich Claus-Archiv der Kunstsammlungen Chemnitz aufbewahrt wird, spiegelt die ästhetischen Debatten der Zeit, zeithistorische Ereignisse und nicht zuletzt die menschliche Dimension dieser Freundschaft wider. Anhand der „Sprachblätter“ von Claus und den Bildgedichten der Garniers wird der fruchtbare Austausch zwischen den Künstlern ebenso deutlich wie die ästhetische Spannweite der visuellen Poesie.

Eine Edition des Briefwechsels zwischen Ilse und Pierre Garnier und Carlfriedrich Claus ist in Vorbereitung und wird während der Ausstellung vorliegen.


BEGLEITPROGRAMM ZUR AUSSTELLUNG


VORTRAG
von Dr. Gaby Gappmayr, Innsbruck
Ilse und Pierre Garnier – Der spatiale Kosmos
Ein Werk im Spiegel internationaler Künstlerfreundschaften

Samstag, 27. Oktober 2018, 18 Uhr

KURATORENFÜHRUNGEN
von Brigitta Milde
Mittwoch, 24. Oktober 2018, 17 Uhr
Mittwoch, 14. November 2018, 19 Uhr
Mittwoch, 5. Dezember 2018, 19 Uhr

FINISSAGE
Sonntag, 6. Januar 2019, 16 Uhr

© Kunstsammlungen Chemnitz 2019