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Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv
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Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv

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Carlfriedrich Claus in den
Kunstsammlungen Chemnitz,
1995, Foto: Làszlò Tòth                                                                

Archivnutzung (nur nach Voranmeldung)
Dienstag und Mittwoch 10–12 Uhr und 13–18 Uhr

Kontakt: carlfriedrich-claus-archiv@stadt-chemnitz.de


Carlfriedrich Claus (1930 - 1998) hat ein Oeuvre geschaffen, das im Spannungsfeld von Philosophie, Bildender Kunst, Linguistik und akustischer Literatur siedelt. Sowohl visuell als auch akustisch hat er darin die Dimensionen menschlichen Bewusstseins ausgelotet und reflektiert und so einen singulären Beitrag zur Kunst des 20. Jahrhunderts geleistet. Das Werk dieses Künstlers ist intermedial von Grund auf und
lange, bevor der Terminus zum Modewort wurde. Obwohl sich Carlfriedrich Claus selbst immer als Autor verstanden hat, werden seine Werke in Museen gesammelt und auch auf Musik-festivals aufgeführt.

Auf der Höhe des Kalten Krieges Mitte der 1950er Jahre
begann er, Texte nach streng formalen Gesichtspunkten zu
verfassen. Sie verliefen nicht nur linear-chronologisch, sondern spannten die Fläche des Papiers so aus, dass verschiedene Leserichtungen möglich wurden. Das erweiterte einerseits die verbalen Botschaften zu einer assoziationsreichen Vieldeutigkeit. Andererseits kam das sprachliche Material selbst zum Klingen bzw. wurde sichtbar.








Seine Werke, in denen sich seit Beginn der 1960er Jahre
Handgeschriebenes so überlagert, dass grafische und bild-
hafte Assoziationen geweckt werden, nannte er „Sprachblätter“.
Nicht nur was lesbar ist versteht der Künstler damit unter Sprache, sondern auch Ausstreichungen, affekthafte Kritzeleien, motorische Schreibgesten. Parallel dazu entstand ein akustisches Werk asemantischer „Lautprozesse“, die der Künstler auf Tonband aufgezeichnet hat und die später als Rohmaterial für große Rundfunkproduktionen dienten.


Es ist ein Paradoxon, dass dieser Künstler, dem es in der DDR so schwer gemacht worden ist, sich selbst immer als Kommunist begriffen hat. Allerdings war seine Vision eines Kommunismus nicht nur an Marx und Lenin, sondern vor allem an Ernst Bloch geschult, einem gleichfalls als „Abweichler“ gebrandmarkten Philosophen. Darüber hinaus umfasste sie alle großen philosophischen, geistesgeschichtlichen und künstlerischen Entwürfe
der Menschheitsgeschichte. Die Kunst außereuropäischer
Kulturen ebenso wie die der klassischen Moderne waren für
Carlfriedrich Claus immer wieder Anregung und Maßstab für
eigenes Tun.

Hatten sich im letzten Jahrzehnt der DDR die Arbeitsbe-
dingungen für ihn bereits verbessert, so brachten die Jahre
nach der politischen Wende 1989/1990 für ihn zahlreiche
große Ausstellungen und Ehrungen. Trotz Krankheit unerwartet verstarb der Künstler 1998; zuvor hatte er noch verfügt, dass sein gesamter künstlerischer und schriftlicher Nachlass in den Kunstsammlungen Chemnitz seinen bleibenden Platz finden soll.

Chemnitzer Unternehmer schufen daraufhin 1999 die Voraus
setzung für die Gründung der «Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv». Mit der Erfüllung des Vermächtnisses sind die Kunstsammlungen Chemnitz um einen großartigen Komplex zeitgenössischer Kunst reicher geworden.


Das Carlfriedrich Claus-Archiv bewahrt 575 Handzeichnungen und 711 Druckgrafiken und Zustandsdrucke des Künstlers sowie Arbeiten von Künstlern, die mit Carlfriedrich Claus befreundet waren – unter ihnen Bernard Schultze, Fritz Winter, Willy Baumeister, Gerhard Altenbourg, Michael Morgner, Klaus Sobolewski, Josef Hiřsal, Ian Hamilton Finlay u.a. Das akustische Werk von Carlfriedrich Claus liegt auf 15 Spulentonbändern und 267 Tonbandkassetten vor. Manuskripte, Tagebücher, Notizbücher, Fotografien und Negative, ein Zeitungsarchiv, persönliche Dokumente und Familiendokumente geben Einblick in die Gedankenwelt und die Biographie des Künstlers. Darüber hinaus enthält der Nachlass mehr als 22 000 Briefe. Carlfriedrich Claus korrespondierte mit international bekannten Persönlichkeiten des Kultur- und Geisteslebens: Künstlern wie Raoul Hausmann, Fritz Winter, Hans Arp, Literaten wie Christa Wolf und Erich Ahrend, dem Philosophen Ernst Bloch oder dem Kunsthistoriker Will Grohmann. So reflektiert der Briefwechsel die Theorien und Debatten jener Jahre und widerspiegelt zeitgeschichtliche Hintergründe. Eine wichtige Ergänzung zum Oeuvre des Künstlers stellt seine gesamte Bibliothek mit ca. 10 000 Bänden dar, darunter seltene Widmungsexemplare und Erstausgaben.

Die Verwertungsrechte von Carlfriedrich Claus liegen bei der Stiftung Carlfriedrich Claus-Archiv der Kunstsammlungen Chemnitz und der VG Bild-Kunst, Bonn. Bei Anfragen zu den Verwertungsrechten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.


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